Sachsen

Die AfD als stärkste Partei bei der Bundestagswahl 2017 – kann das euer Ernst sein? Ich kann es nicht verstehen. Schade, aber da werde ich mir zukünftig leider doch ein anderes Urlaubsziel suchen.


Am Bahnschalter steht eine lange Schlange. Es geht und geht nicht weiter. Da ruft hinten ein Mann: „Was is dn des für’n Gemähre! Nu werd’ch aber allmählich widend!“ Ein Fremder vor ihm dreht sich um und sagt: „Ich habe noch keinen wütenden Sachsen gesehen.“ Antwortet der Sachse: „Ich ooch nich, aber ich schdells mer forchdbar vor!“


Dieser Witz drückt vielleicht am besten aus, warum ich so gerne in Sachsen bin. Ich bin persönlich auch noch keinem wütenden Sachsen begegnet. Wann und wo auch immer ich dort aufschlage, sind die Leute so offen und freundlich. Und das steckt irgendwie an. Meine Frau sagt immer, sobald ich die ehemalige Grenze hinter mir lasse, werde ich viel entspannter. Der Blutdruck sinkt, die Laune steigt. Ich bin angekommen. und habe mich einfach in Land und Leute verliebt.


Freitags um 12:00 Uhr direkt nach der Arbeit geht’s los. 90km quer durch den Welzheimer Wald bis zur A6. Dann die nächsten 90km auf die Autobahn Richtung Nürnberg. Danach geht’s über Land 230-250km bis in die Ecke um Plauen, wo ich dann meist so mit den letzten Sonnenstrahlen ankomme.

Nach einer Übernachtung geht’s kreuz und quer durch Vogtland, Erzgebirge und die Sächsische Schweiz. Manchmal reicht es auch bis rauf in die Oberlausitz. Käffchen und Torte in der Lösermühle in Cämmerswalde, ein leckeres Mittagessen auf dem Wasser im Schwanenschlößchen in Freiberg, Senf in Bautzen besorgen, ein kleiner Einkaufsbummel im weihnachtlichen Seiffen oder ein Besuch auf Schloss Augustusburg. Irgendwas habe ich immer in Sachsen zu erledigen. Meist kommen da so 450km zusammen.

Am letzten Tag geht es dann alles über Land und quer durch’s Fränkische wieder rund 500km zurück. So kommen in 2 1/2 Tagen immer um die 1.400km zusammen. Für mich Entspannung pur, die ich mir 2-3x im Jahr gönne. Dazu kommen meist noch ein größerer Urlaub mit dem Zweirad im Erzgebirge und ein kleinerer Urlaub im Winter in Dresden.

Zum Zweiradfahren ist das Erzgebirge einfach toll. Viele schöne kleine Straßen mit jeder Menge Kurven und viel auf und ab. Auf den kleinen Holperstrecken (die vermutlich auch meine Lichtmaschine und mein altes Navi auf dem Gewissen haben) ist es auch nicht so überlaufen. Vor allem findet man dort auch nur wenige Vertreter der Heizerfraktion. So lässt es sich entspannt durch die Gegend cruisen. Und Sehenswürdigkeiten für einen kürzeren (oder auch längeren) Zwischenstop finden sich auch überall. Vom leckeren Essen mal ganz zu schweigen: Eierschecke, Quarkbällchen, Würzfleisch oder Quarkkeulchen.

Das einzige, was mich wirklich in Sachsen “forchdbar widend” macht, sind die Herrschaften von Pegida und Konsorten, die die Stimmung vergiften und nicht nur mir den Aufenthalt in Sachsen manchmal vermiesen.


Wichtel